Ungarn IV: Bis nach Serbien

15.-17.05.2016

Der erste Tag nach Budapest war durchaus zäh, die Kondition war zwar noch da, aber unsere Gewöhnung an die Sitzposition hat auf jeden Fall nachgelassen. Trotzdem fühlt es sich gut an, weiterzufahren auch wenn das gute Leben in Budapest Spuren hinterlassen hat. Einen perfekten Radltag später kommen wir in Dunaföldvar an. Wir sind alleine auf dem CP mit einem älteren Wohnmobilpaar aus Lippe, die ihr Fahrzeug nicht verlassen. Wir beide gründen einen Unisex-Waschraum bei lauter Musik. Wir waren bisher fast immer die einzigen Radler und hatten so die CPs fast für uns alleine. Man spürt aber, dass  der Sommer in den Startlöchern steht, alles wird herausgeputzt und man kann erahnen, was hier in der Hauptsaison los ist – bisher stehen wir allein vor vierzig Waschbecken.

Die zweite Etappe ist im positiven Sinne unspektakulär, es geht auf guten Wegen (die nach Budapest viel besser sind als vorher und das, wo die meisten Radler in Budapest ihre Tour beenden) immer an der Donau entlang, wir haben Gelegenheit unsere mp3-Player anzuschalten und einfach zu rollen. Selbst die Teilstücke auf Grasnarben sind so wunderbar und mit Nachmittagssonne im Rücken erstrahlt Ungarn wie von der Postkarte. Wir zelten in Baja auf einem innerstädtischen CP direkt am Donaustrand mit WLAN und Kneipenmeile auf der anderen Donauseite, hier essen wir die erste richtige Pizza in Ungarn, wir hatten schon welche aus Mürbeteig (auch ok) und mit Gewürzketchup (weniger geil aber auch ok) für jeweils um 3€. Einmal wurden wir gefragt, ob es zur Pizza etwas Ketchup dazu sein darf… Ein schöner Abend, der uns entgangen wäre, hätten wir auf die Google-Bewertung des CP gehört, diese sind immer sehr schlecht und aus Sicht von Wohnmobilisten geschrieben – oder unsere Ansprüche sind derart niedrig 😉

Am letzten Tag präsentiert sich Ungarn noch mal von seiner schönsten Seite. Wir treffen Sumo aus Korea auf perfekten Fahrradwegen. Sumo ist die Strecke von Istanbul gefahren und weiter auf dem Weg nach Berlin. Er erzählt uns von Touren, die man in seinem Heimantland machen kann – wer weiß wo es für uns hingeht, hier wird noch nichts verraten 😉 Eine Planänderung gibt es aber schon zu verkünden: wir werden den Donauradweg noch weiter Richtung Schwarzes Meer fahren. Uns erwartet der Djerdap Nationalpark, den wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Sumo war allein unterwegs, genauso wie die meisten Radler, die wir treffen. Ein ungarischer Radler bestätigt diese Beobachtung. Eigentlich sagt uns unsere selektive Wahrnehmung, dass alle zu zweit unterwegs sind (zumindest die Reisen, die uns sehr inspiriert haben). Als Binsenweisheit unter Radlern gilt: Wenn man allein unterwegs ist, sind die schönen Momente schöner und die Schlechten schlechter. Dies können wir (ohne jemals lange alleine geradelt zu sein) nur bestätigen. Wir können uns vorstellen, dass die Momente der absoluten Freiheit, wenn es gut läuft, man voran kommt und sich die ganze Welt vor einem ausbreitet, allein noch intensiver sind. Die Momente der Schlafplatzsuche, undercarbed, im Regen, aber auch richtig scheiße. Wir möchten nicht missen, dass wir die schönen Momente teilen und uns gemeinsam erinnern und vorfreuen können.

Am Ende des Tages mussten wir uns entscheiden – die Variante über Kroatien: neue Währung, neue Sprache oder gleich nach Serbien, auf das wir uns schon lange freuen und wir schon ein Schlafplatz sicher haben. Wir haben uns für Serbien entschieden und es nicht bereut. Doch dazu nächstes Mal mehr im mittlerweile fünften Land unserer Reise.

Etappen:

Budapest – Dunaföldvar: 106 km

Dunaföldvar – Baja: 99 km

Baja – Sombor: 101 km

Bis demnächst,

T + D

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Translate »
%d Bloggern gefällt das: