Georgien II: Das Land der wilden Kühe

11.-14.07.2016

Georgia – Land of wild cows

We’ve made it to Tbilisi. The traffic in Georgia was not as bad as expected – apart from the capital. After Istanbul we thought we can cycle everywhere – but Tbilisi was tough. Nevertheless it’s a beautiful city and we will enjoy the time waiting for the visa for the next countries.


 

Nach 7 Spuren der Zubringerautobahn in Istanbul hatten wir gedacht uns könnte nichts mehr schocken. In Tiflis schaffen es die Georgier auf 5 Spuren, uns bei höherem Tempo und agressiverer Fahrweise an die Grenze zu bringen. Wir fahren wie die Fahrradkuriere in San Francisco Schlangenlinien um die Autos im Stadtverkehr – nur haben wir keine wendigen Starrgangräder sondern vollbepackte Reisepanzer, die auf 30 km/h beschleunigt werden müssen, um mitzuschwimmen. Das zieht auch die letzte Energie aus den Oberschenkeln, die nachdem wir schon 140 km in den Beinen haben eh schon brennen. Die letzten 50 km  haben wir jede Gelegenheit genutzt, um Energie nachzufüllen, bei der Einfahrt in Tbilisi sind wir trotzdem unterzuckert – sehr schlecht wenn die Konzentration voll da sein muss. Wir haben gegen zwei unserer eigenen Regeln verstoßen: man plant keine Etappen mit mehr als 100 km, auch wenn es flach aussieht – so haben wir nämlich den Wind unterschätzt – und keine Stadteinfahrt in eine Großstadt nach einer langen Etappe. Wir haben einige solcher Regeln, die uns im Eifer des Gefechts helfen sollen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, bspw. es bei technischen Problemen nie bei einer provisorischen Lösung zu belassen usw. Wir wollten aber unbedingt vor dem Wochenende noch zur Botschaft. Also heißt es: Zähne zusammen beißen und ab dafür. Normalerweise wissen wir morgens nicht, wo wir abends bleiben werden. Für Tbilisi hatten wir schon im Voraus gebucht um nach der stressigen Etappe wenigstens die Nacht in trockenen Tüchern zu wissen.  In Georgien haben wir uns wieder für bezahlte Unterkünfte entschieden, die mit 8-10 € p.P. voll im Budget liegen. Die Kommunikation im Hotel ist sehr viel direkter als in der Türkei, nach kürzester Zeit sind wir uns des Handels einig (auch wenn weniger gehandelt wird) – vieles geht mit Hand und Fuß. Meist werden wir für Russen oder Amerikaner gehalten. Das Erstaunen ist dann groß, wenn klar wird, dass wir mit dem Radl aus Deutschland da sind. Statt zum Tee werden wir unterwegs zum Vodka eingeladen. Einmal wollte ich wenigstens mitmachen – ich erwartete ein Brennen in der Kehle, stattdessen war der milde Vodka mit Eiswasser gemischt und bei der Hitze sehr belebend. Bei mir blieb es bei einem Kurzen, bei den Einladenden nicht. Wir hoffen, dass sie es für den Tag beim Trinken belassen und sich nicht hinter das Steuer eines motorisierten Gefährts setzen. Der Verkehr in Georgien hat unter Radfahrern einen schlechten Ruf – wir sind allerdings angenehm überrascht, es gibt zwar einige sehr riskante Überholmanöver, insgesamt wird aber Abstand gehalten und es ist alles nicht soo wild, zumindest bis wir in die Hauptstadt kommen.

Das Ende vom Lied: Wir erreichen Tiflis nach einer Etappe, die zu den härtesten bisher gehört. Temperaturen im oberen 30er Bereich bei konstantem Gegenwind, auch am Berg, lassen uns größtenteils nur mit 10km/h Richtung georgische Hauptstadt fahren. Die Straße ist allerdings perfekt – wir fahren mehrere Teilstücke zwischen Batumi und Tiflis auf der Autobahn. Die Straße sieht aus wie eine europäische Autobahn mit dem kleinen Unterschied, dass zwei bepackte Radler am Seitenstreifen niemand stören. Die Cops grüßen freundlich zurück, als wir die Auffahrt benutzen. Im Zuge der Antikorruptionsmaßnahmen wurden vor knapp 10 Jahren alle Verkehrspolizisten (16000) entlassen und die Stellen neu besetzt. Die an amerikanische Filme erinnernden schweren Polizeiwagen sind allgegenwärtig im Straßenbild. Genauso wie die Kühe – selbst auf der Autobahn stehen diese Zeitgenossen seelenruhig beim Grasen.

Viele Kleinigkeiten lassen Georgien exotisch wirken: Granatapfelbäume neben der Straße, Palmen überall und natürlich die Sprache. Wir verlassen die Berge, es wird flacher, trockener und heißer – wir nähern uns unserem nächsten Ziel Aserbaidschan. In Tiflis werden die nächsten Tage bis 40°C erwartet – wir sitzen im Straßencafe und werden alle 20 Sekunden automatisch von einer Sprenkleranlage eingenebelt wie das Gemüse im Supermarkt.

Auf den Weg durchqueren wir Gori, die Geburtsstadt Stalins, diese lassen wir links liegen und keulen weiter bis zur Hauptstadt. Unterwegs sehen wir noch die eine oder andere Burg- und Kirchenruine auf dem Gipfel eines Hügels, mit ein bisschen mehr Zeit im Gepäck wären hier bestimmt schöne Wanderungen möglich. Abhängig davon, wie lange wir in Tiflis auf unsere Visa warten müssen, kann man so eine Tour ja noch in Betracht ziehen.

Etappen:

Batumi – Cohatauri: 87 km

Cohatauri – Zestaponi: 96 km

Zestaponi – Surani: 64 km (die waren echt zäh)

Surani – Tiblisi: 144 km (die auch)

macht insgesamt knapp 6500 km. Jetzt heißt es sich in Geduld üben und auf die Visa warten. Heute waren wir zum ersten Mal in unserem Leben in einer Botschaft. Mehr Infos gibt es im nächsten Bericht aus Tbilisi. Wir hatten eine chaotische, anstrengede Stadt erwartet, tatsächlich gefällt es uns richtig gut.

Macht was draus,

T+D

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