Kasachstan II: Die Steppe lebt – Von Almaty nach Bishkek

30.08.-01.09.2016
Es war mal wieder gar nicht leicht Internet zu organisieren um die Bilder in guter Qualität hochzuladen. Wir mussten uns auch etwas aufraffen um mal wieder alles aufzuschreiben. Die Berichte erfüllen für uns aber eine wichtige Tagebuchfuntion und helfen uns unsere Gedanken und Erlebnisse zu ordnen, auch geben sie der ganzen Reise einen Rahmen – deshab nehmen wir uns diese Zeit gerne und zeigen euch heute wie es uns in Kasachstan ergangen ist.
Die Ausfahrt aus Almaty ist überraschend stressig, unglaublich viel Verkehr und Stau ohne Ende. Alle wollen raus, vor den Toren der Stadt ist ein großer Marktkomplex und Aquapark, da gehts für viele hin, danach wird der Verkehr ruhiger. Wir halten an für ein kaltes Getränk und bemerken, dass wir unsere Benzinflasche im Hostel vergessen haben. Zum ersten Mal auf Tour etwas vergessen! Normalerweise bleibt die Flasche über Nacht am Rad. In Almaty war alles noch vom Flug verpackt. Zum Glück hatten wir uns entschieden, noch eine Gaskartusche zu kaufen, so blieb die Küche nicht kalt. Für die kommenden Monate müssen wir uns was einfallen lassen – ich glaube nicht, dass wir in China Gaskartuschen bekommen.
Ohne Kocher wäre es auf dem Weg nach Bishkek sehr anstrengend gewesen, Wildcampen stand auf dem Plan. Nach den dicht besiedelten Teilen Irans liegt nun die menschenleere Steppe vor uns. Unsere stählernen Rösser reiten durch die endlose kasachische Landschaft. Wir dürfen uns visafrei 15 Tage im Land aufhalten. In ähnlich „leeren“ Landschaften in Aserbaidschan fühlten wir uns nicht halb so exponiert, ständig hielten Autos an, um uns mit Getränken und Essen zu versorgen oder zu fragen ob alles ok ist. Hier kann man das Ende der Straße nie erkennen, die Route ist leicht wellig, so sieht man in alle Richtungen nur eine gerade Linie am Horizont. Es reizt mich die Steppe komplett zu durchqueren aber wir merken auch, warum diese Landschaft für viele Radler so fordernd ist: die Monotonie ist anstrengend, man fühlt sich sehr exponiert (sicherlich umso mehr wenn man eine solche Strecke allein in Angriff nimmt) und auch die Versorgung wird komplizierter. Zu Beginn haben wir zu wenig Wasser dabei, wir überschätzen die Zahl an kleinen Magazins (Läden) am Straßenrand – zu keiner Zeit auf dieser Reise hatten wir einen solchen Durst. Wir träumen von Iced Americano in Almaty oder Efes aus geeisten Gläsern bei Mo in Istanbul. Ein Dorfladen ist unsere Rettung. Die Dörfer wirken russisch, haben aber Mosheen und chinesiche Läden – ein neue Mischung vieler bisheriger Eindrücke unserer Reise. Die Tour nach Bishkek ist nur ein kurzes Vergnügen, wir entscheiden uns deshalb die historischen Felszeichnungen in Tamgaly zu besuchen, ein Umweg von 140 km, der uns zwingt die gleiche Straße wieder zurück zu nehmen – etwas unglaublich nerviges für Radfahrer (in diesem Fall nicht so schlimm, weil auf dem Rückweg der Blick auf das Tien Shan die Stimmung hebt). Wir schaffen fast 400 km in drei Tagen und fühlen uns nach der Pause in Teheran und Almaty super auf den Rädern.

Der kleine Abstecher lohnt sich total. Während einer Ausgrabung kasachischer Archäologen wurde eine Schlucht voll mit Felsmalerei entdeckt. Die Ritualstätten sind gut erhalten und können gegen Eintritt besucht werden. Unser Guide (ohne dürfen wir das Tal nicht betreten) Didar spricht russisch, ist aber der bisher kreativste Kommunikationspartner, wenn es darum geht uns mit Hand und Fuß die Bilder zu erklären. So kraxeln wir mit ihm die Felsen hoch und runter und müssen immer Ausschau nach giftigen Schlangen und Skorpionen halten, vor denen hier gewarnt wird (wir hatten früher am Tag schon eine fette Spinne gesehen – wir zeigen ihm das Bild: tatsächlich eine Tarantel, Toni hatte ihren Fahrradcomputer auf den Boden gelegt um für das Foto einen Größenvergleich zu haben – schlechte Idee: die Tarantel geht in Angriffsposition und lässt erst später von unserem Computer ab – vieleicht etwas leichtsinnig von uns ;-)) . Das Unescoweltkulturerbe hat uns schwer beeindruckt und der Weg dahin ermöglicht in der kurzen Zeit in Kasachstan noch etwas mehr unterschiedliche Landschaft zu sehen – umso weiter wir die Berge und die grüne Steppe verlassen, umso wüstenähnlicher wird unser Umfeld. Vor Bishkek steht noch eine kurze Kletterei an, dann geht es lange leicht bergab (wir fahren ne knappe Stunde 50 km/h ohne groß zu treten – ein Traum). In Richtung Kirgistan gleicht die Landschaft immer mehr den Westhighlands in Schottland. Die Gegend sieht eins zu eins aus wie Fort William (einer der Mountainbike Hotspots Europas und ein super Ausgangspunkt für Bergtouren) und wir hätten gut Lust das Fahrrad für einige Tage gegen Bergschuhe und Kletterausrüstung zu tauschen.

 

Das Wildzelten macht zum ersten Mal seit Aserbaidschan wieder richtig Laune, es ist kein Mensch unterwegs und es gibt nachts keine „Lichtverschmutzung“, d.h. gute Bedingungen für Sternbilder. Ein großer Wunsch für diese Reise ist ein perfektes Zelt/ Milchstraßenfoto. Das Zelt zu beleuchten ist natürlich heikel bei absoluter Dunkelheit – wir wollen die Cops ja nicht unnötig auf uns auferksam machen. Ein paar Bilder sind entstanden, sie bilden den beeindruckenden Sternenhimmel aber nur unzureichend ab – ich bin noch nicht zufrieden, vielleicht in Kirgisien.
Am ersten Tage biegen wir auf der Suche nach einer Zeltgelegenheiz einfach rechts ab und fahren in die Steppe, am Horizont erscheint ein Reiter, wir machen ein Foto – kurz darauf rennen zwei riesige Hunde in unsere Richtung, die uns bis zur Straße verfolgen. Wir glauben nicht, dass sie auf uns gehetzt wurden, trotzdem sind wir nun immer vorsichtig wenn ein Reiter erscheint. Am frühen Morgen unserer ersten Nacht quert eine Herde Pferde unseren Zeltplatz – natürlich sind wir sofort voll Adrenalin und suchen im Dunkeln die zugehörigen Cowboys – aber nichts da, nur Pferdchen.

Wir kommen deutlich schneller voran als gedacht. Am Ende sind es nur noch 20 km bis zur kirgisischen Haupstadt, wir fahren kurzerhand noch schnell über die völlig unkomplizierte Grenze, obwohl es langsam dunkel wird.“Welcome to Kyrgyzstan, thank you for visiting my country“ – heißt es zum zweiten Mal nach dem Iran. Leute grüßen uns und wir fühlen uns willkommen. Mehr vom 12. Land unsere Reise im nächsten Bericht.

Etappen:

Almaty – Tapran: 109 km

Tapran – Tamgaly – Tapran (Abzweig): 144 km

Tapran – Bishkek: 144 km

 

3 Responses to “Kasachstan II: Die Steppe lebt – Von Almaty nach Bishkek

  • Wow, das Sternenbild ist toll! Wenn du damit nicht zufrieden bist – wie grandios muss der Himmel erst in echt ausgesehen haben? Kein Vergleich zu einem deutschen Sternenhimmel… Was für eine Kamera nutzt du für die Bilder? Und ab welcher Belichtungszeit kann man die Sterne einfangen?
    Ich wünsche euch weiter eine gute Fahrt und möglichst wenig Krabbeltier-Kontakt.

    Gruß,

    • Daniel & Toni
      2 Jahren ago

      Danke, wir nutzen eine Canon GX7. Je nach Belichtungszeit kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wenn du das Bild anglickst siehst du alle Infos. Vielen Dank fürs Kommentieren und LG aus Bishkek.

  • Olivka

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