Kirgistan I: Bishkek

01.09.-05.09.2016

Wir sind immernoch in Bishkek. Eigentlich sollte es gestern weiter gehen, beim anstehenden Kettenwechsel bemerke ich aber etwas Spiel im Hinterrad. Wir fahren die Radläden ab auf der Suche nach jemandem, der sich mit Nabenschaltungen auskennt, zumindest gibt es hier einen Giant-Laden (immerhin der größte Fahrradhersteller der Welt und in Deutschland gibts auch Modelle mit Rohloff) aber keine Chance, eine Rohloff kennt hier keiner. Wir treffen zwei Russen, die auf Zentralasientour sind und uns helfen und die Läden abklappern. Ohne die Übersetzungshilfe wäre die Kommunikation deutlich schwerer geworden – die Solidarität unter Radlern (und Reisenden im Allgemeinen – man könnte hier auch LKW-Fahrer nennen, die in jedem Land große Rücksicht auf uns nehmen) ist großartig. Wir entscheiden die E-Mailantwort des Rohloffservice abzuwarten und noch einen Tag zu bleiben. Ein weiterer Grund, vorerst feste Unterkunft, Bett und gute Versorgung nicht gegen Zelt und Natur zu tauschen – obwohl uns die Bergwelt Kirgistans sehr reizt – ist mein Gesundheitszustand. Wir wissen nicht ob es Insektenstiche, eine allergische Reaktion oder sonst was ist, auf jeden Fall habe ich an den Gliedmaßen juckenden Ausschlag/Insektenstiche. Wir sind derzeit im mit Abstand schicksten und saubersten Hostel unserer Reise – daran kann es nicht liegen und Toni hat keine Beschwerden. Allgemein hab ich mich ziemlich krank gefühlt, als wir auf der Suche nach einem guten Fahrradladen und einer neuen Benzinflasche die halbe Stadt abgefahren sind (leider erfolglos, aber eine Tour durch die Outdoorläden, die hier ihren Namen verdienen, ist immer cool). Mittlerweile geht es mir besser, die Punkte auf der Haut werden weniger und die Motivation endlich weiterzufahren ist riesig. Heute nachmittag kam dann auch die erlösende Nachricht von der Fa. Rohloff: Das Spiel kommt von den Antreiberlagern, alles sollte bis Singapur halten und wir können erst mal weiter (in Hong Kong und in Bangkok gibt es einen Rohloffservice, wahrscheinlich werden wir da mal vorbeischauen). Das Ende vom Lied: alles wieder gut und nichts Ernstes, trotzdem waren die letzte Tage teilweise echt zäh.

In Bishkek angekommen, versuchen wir erstmal was geiles zu essen zu besorgen, wie in Almaty gieren wir nach frischem Gemüse – die „Brot und Käse“-Diät der letzten Wochen reicht langsam (wir freuen uns schon auf China). Es heißt immer Zentralasien wär der Alptraum für Vegetarier und Veganer – das ist auch richtig, trotzdem geht hier einiges. Nach vielen missglückten Versuchen in Restaurants etwas ohne Fleisch zu bekommen, finden wir einen Supermarkt mit großer Feinkosttheke: Aufläufe, Ratatouille, Eintöpfe und Salate ohne Fleesch – nach drei Tagen kennen uns alle Verkäufer. Für kleines Geld leben wir hier sehr gut und können Vitamine und Proteine (wir haben eine super Hostelküche, es gibt Bohnenburger satt) auffüllen. Verständigen können wir uns übrigens mit den paar Wörtern Russisch, die wir in Almaty gelernt haben. Hauptsache für uns ist immer, dass man Hallo, Danke und Bitte sagen und am besten noch verständlich machen kann, dass man kein Fleisch (Mjaso) oder Hähnchen (Kuritza) essen will. Der Rest lässt sich wie immer meist noch mit Händen und Füßen klären, so auch beim Kauf unserer kirgisischen SIM-Karte.


Ansonsten hat die Haupstadt Kirgistans nicht viel zu bieten. Es gibt kaum Sehenswürdigkeiten oder architektonische Highlights. Die unterschiedlichen Einflüsse, die sich hier treffen, machen unseren Aufenthalt trotzdem spannend, wir sitzen beim Schrottochino und beobachten (die oft sehr hübschen) Menschen. Im Hostel entspannen wir ansonsten ganz gut und Toni nutzt die Zeit, um endlich den neuen Harry Potter zu lesen. Im Fernsehen läuft jetzt überall die Übertragung der World Nomad Games, die nur 300 km entfernt stattfinden, einer Art Olympiade für nomadische Sportarten, vor allem diverse Reitwettbewerbe. Wir wissen nicht so ganz, ob wir das interessant finden sollen oder doch eher ablehnen. Bei einer Disziplin müssen die Reiterteams ein totes Schaf im Galopp aufheben und zu ihrer jeweilige Markierung bringen, das Team mit den meisten Schafen im „Tor“ gewinnt – allein für dieses Spiel wurden Dutzende Schafe getötet. Wir haben uns jedenfalls entschieden, nicht dabei zu sein, haben aber einige Teilnehmer und/oder Gäste auf dem Weg dorthin an Raststätten bei unseren Pausen in Kasachstan gesehen.

Wir freuen uns jetzt erstmal auf unseren Ausflug in die Berge, als nächstes steht ein 3500m-Pass an, so hoch sind wir bisher noch nicht gefahren.

Etappen: endlos durch die Stadt gegurkt

Macht was draus.

D+T

2 Responses to “Kirgistan I: Bishkek

  • Die Schafe sind nicht echt. Zumindest bei den World Nomad Games; auf den Dörfern schon. Muss aber zugeben, dass es täuschend echt aussieht.

    Das Gute ist aber, dass die Schafe auch sonst keinen sinnlosen Tod sterben, denn sie werden nach dem Spiel tatsächlich gegessen und vor dem Spiel haben sie ein recht gutes Leben. 😉

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