Singapur I: In der Stadt des Löwen

15.04. – 18.04.2017

Unsere Einreise nach Singapur gestaltet sich etwas anstrengender als angenommen. Der malaysische Grenzbeamte macht noch Selfies mit uns, für seinen Vater, der auch Radreisen unternimmt. Wir fahren völlig euphorisiert auf die Grenzbrücke, diesen Moment haben wir uns lange vorgestellt, viel drüber gelesen und oft gesehen, nach langer Tour erreichen wir das abstrakte Sehnsuchtsziel: Singapur, das südlichste Ende des eurasischen Kontinents, die Stadt des Löwen. Kawuuuusch! Auf der singapurischen Seite dann die Ernüchterung: das Datum auf dem Ausreisestempel aus Malaysia ist nicht richtig lesbar. Die junge Grenzbeamtin nimmt es ganz genau und wir müssen ins Büro. Dort sitzen wir mit den erwischten Schmugglern und anderen Problemfällen, bevor der Chef kurz drüben anruft und bestätigt bekommt, dass Toni nicht drei Tage auf der Brücke verbracht hat, eigentlich auch klar, aber wenn die Vorschrift es sagt. Notfalls hätte der Grenzbeamte auf der anderen Seite ja noch ein Selfie mit uns 😄. Mit Umwegen und Grenzangelegenheiten sind wir jetzt mal wieder spät dran und wir fahren durch die nächtlichen Straßen und den gesitteten Verkehr der Megametropole, bevor wir endlich in der Tree In Lodge ankommen. Ähnlich wie Grannys in BKK sind wir „at home away from home“ und wir sind wieder unter vielen gleichgesinnten Radlern.

Wir treffen Terry und Anna aus Korea und tauschen Geschichten aus. Die Hostelcrew um den legendären SK kennt fast jeden, der grad unterwegs ist und wir liefern einen Brief von Alexis aus, den er uns in Bangkok mitgegeben hat.

Singapur ist so, wie wir es uns vorgestellt haben und der Kontrast zu Malaysia ist enorm. Die Autos haben wieder Rußpartikelfilter, die Luft ist sauber, die Wolkenkratzer riesig, die Straßen blitzblank und das Bier sogar noch teurer als in Malaysia. Wir fahren nach Sentosa zum südlichsten Punkt von Kontinentalasien und drehen eine Runde durch die Straßenschluchten des Bankenviertels, etwas, was ich schon immer mal machen wollte.

Wie in KL sind wir sonntags in der Stadt, sodass es kaum Verkehr gibt. An das Stehenbleiben bei Rot und an Taxis, die vorm Zebrastreifen halten, müssen wir uns erst wieder gewöhnen.

Auf der einen Seite gefällt uns Singapur ganz ausgezeichnet, alles ist so aufgeräumt, zivilisiert und modern. Die ganze Stadt ist wahrgewordene Science Fiction. Alles ist sauber und ökologisch und effizient usw. Alles ist aber auch überreguliert, convenient, videüberwacht, kleinverpackt und in passenden Häppchen serviert. Am Airport kann man den Gestank auf Klo über ein Interface aus einer Anzahl von Störfällen melden, kurz darauf wird das ganze fachmännisch behoben und man kann seine costumer experience an einem weiteren Tablet bewerten – alles etwas viel für uns nach dem organisierten und charmanten Chaos Südostasiens. Wir besuchen ein paar touristische Highlights, darunter das Shimano-Museum, wo man die Geschichte des Fahrrads erkunden und alle möglichen Schaltgruppen ausprobieren kann.

Wir genießen auch ein letztes Mal die kulinarische Vielfalt Asiens, es gibt nebenan vom Hostel eins der typischen Hawker Center, wo wir chinesisch und indisch Essen gehen. Es geht doch nichts über einen Masala Dosai zum Frühstück. Oatmeal und Toast werden wir in Neuseeland schon genug haben. In Chinatown fühlen wir uns auch noch einmal wie im echten China, hier wird gerülpst, gerotzt und gesoffen – genau die Tischsitten, bei denen wir uns wohlfühlen. Mit dem einzigen Unterschied, dass hier auch der letzte Opa gutes Englisch spricht. SK zeigt uns sein liebstes vegetarisches Restaurant in Chinatown, wo wir uns mit Mock Meat nur so vollstopfen, zum Dessert gibt es schwarze Sesamsuppe mit Erdnuss-Teigbällchen. Mock Meat ist wohl etwas typisches für Taiwan, eher weniger für Mainland China, so lernen wir es jedenfalls von einem taiwanesischen Radler im Hostel.

Der entspannte Teil währt nur kurz, es gibt viel zu tun: die Räder müssen für NZ peinlich genau gesäubert und für den Flug verpackt werden. Zum Glück haben wir uns pünktlich gemeldet und zwei Boxen warten bereits im Hostel auf uns.

Am Tag der Abreise stehen wir mit unseren koreanischen Freunden vor dem Hostel und warten mit vier Bikeboxen und einem Berg Ortliebtaschen auf das Großraumtaxi. Der Taxifahrer ist zwar schon über 50 aber immer noch begeisterter Fixed Gear Pilot und macht mit seinem Cinelli die Straßen unsicher.

Wir bleiben locker im Gewichtslimit für unser Aufgabegepäck und fliegen in einer Stunde zurück nach Kuala Lumpur.

Diese Zeilen entstehen im Flughafen während unseres sechsstündigen Aufenthalts in der malayischen Hauptstadt. Wir haben bereits Neuseelanddollar in der Tasche und die Zeit vergeht wie im Flug. In Bezug auf viele Dinge auf Tour sind wir mittlerweile abgeklärt, trotzdem sind wir im positiven Sinn aufgeregt. Wir fangen irgendwie nochmal von vorne an. Die Zeit in Singapur war so inspirierend, dass schon viele Ziele für spätere Reisen auf dem Zettel stehen.

In diesem Sinne: Macht was draus.

T+D

Etappen:
Ein paar Km in SG

4 Responses to “Singapur I: In der Stadt des Löwen

  • Klasse gemacht! Wir wünschen euch viel Spaß in NZ. Im Land der Ringe 😉

  • Florian & Kathi
    6 Monaten ago

    Sauber, da habt ihr den asiatischen Kontinent gut zu Ende gebracht.
    Wir sitzen auch grad am Flughafen, in weniger als 15 h sind wir zurück in Deutschland… Jetzt aber erstmal ein guten Start in Neuseeland, auf das der Kulturschock nicht zu groß wird!

    • Daniel & Toni
      6 Monaten ago

      He ho. Wir haben grad heute an euch gedacht, weil wir uns gefragt haben wie weit wir mit der 8 im Laufrad noch kommen 😉 Singapur war eine gute Vorbereitung auf den Kulturschock, zumindest was die Preise angeht. Trotzdem sind wir ziemlich ausgebrannt und brauchen ein paar Tage Entspannung. Wir sind zum ersteb Mal mit dem Erreichten zufrieden und hoffen euch geht es mit Japan auch so. Gutes Nachhausekommen.

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