Neuseeland IV: Am Wendepunkt der Gezeiten

17.05.-29.05.2017

Nachdem alles an Reparaturen und Planung erledigt war, konnten wir in Wellington endlich mal ein bisschen abschalten. Wir besuchen Eric und Charlotte, zwei französische Radreisende, die zwei Jahre unterwegs waren, bevor sie sich in NZ eine längere Pause gegönnt haben. Für ein Jahr tauschen sie Rad und Zelt gegen Job und Wohnung. Das macht die Gespräche super interressant. Zwar merken wir, dass wir auch langsam eine Pause brauchen, trotzdem können wir uns nicht vorstellen irgendwo länger zu bleiben, dafür vermissen wir Europa und zu Hause zu sehr (das wird uns umso deutlicher wenn wir einen Abend bei Rotwein mit zwei Franzosen verbringen) und dafür nehmen wir es im Moment zu sportlich: die Herausforderung der USA-Durchquerung reizt uns sehr. Für die 8000 km haben wir 3 Monate Zeit (wir wollen pktl. zur Hochzeit einer Freundin wieder über die deutsche Grenze fahren und in Europa stehen auch noch ein paar Km auf dem Plan) – so richtig entspannen können wir also irgendwie doch nicht. Neuseeland bleibt leider ein Transitland, auch wenn es als Höhepunkt geplant war. Wir sind auf dem Rückweg.

Da so viele Dinge dazwischen gekommen sind, hängen wir unseren Vorhaben etwas hinterher, von der Südinsel haben wir noch nichts gesehen, dafür gab es etwas mehr Kultur und unser Bild von NZ vervollständigt sich. Nächstes Ziel: Südinsel.

Die Überfahrt war aufregender als gedacht und kann bei Wellengang schon mal zum Abenteuer werden.

Die südliche der beiden Inseln Neuseelands präsentiert sich in einem Spätsommer wie im Bilderbuch.

Zwar wird es nachts empfindlich kalt und das Zelt muss jeden Morgen erst auftauen, dafür erleben wir die neuseeländische Version des „Indian Summer“ – die Stadt Nelson gefällt uns besonders gut und sieht auch von der Architektur her aus wie ein amerikanisches Ostküstenklischee.

Wir machen die 21000 km voll und feiern unseren Meilenstein in Nelson in einer Craftbeerbrauerei.

Die letzten Tage auf der Nordinsel haben wir wenig geradelt und uns fehlt das Abenteuer für das wir nach NZ gekommen sind.

Unser Plan war den Rainbow Trail unter die Räder zu nehmen. Eine alte Straße aus den 50ern, die man vorzugsweise mit nem 4×4 fährt und die durch abgeschiedene Landschafzen führt. 2 Tage Wildnis war genau das, wonach uns der Sinn stand. Die Straße führt über Farmland und ist im Winter gesperrt, man braucht eine Genehmigung vom Farmer. 3 Tage versuchen wir jemanden zu erreichen, leider ohne Erfolg.

Jetzt haben wir die Situation, die wir vermeiden wollten: kein Weg zurück, keine Zeit für einen Umweg und vor uns der Highway 63 (65 und 7), die Strecke vor der uns alle seit Beginn warnen. Durch das Erdbeben ist die Hauptverkehrsader unterbrochen und der Güterverkehr geht über eine kleine, schmale Passstraße, die dafür nicht ausgelegt ist.

Wir sind schon einiges gefahren und unterschätzen die Gefahr bis wir von einem LKW in den Graben abgedrängt werden. Ausweichen oder Bremsen wär für den Trucker keine Alternative gewesen, langsamer fahren allerdings auch nicht, das läuft hier etwas anders als in den Ländern durch die wir bisher gefahren sind.

Nach dem ersten Schock halten wir und verlassen die Straße wenn wir eine Gruppe LKWs im Rückspiegel erkennen. Ein Local zeigt uns einen Umweg, um am zweiten Tag eine besonders gefährliche Schlüsselstelle zu vermeiden, dadurch fahren wir einen schönen Trail mit einigen Flussdurchquerungen.

Vor uns liegt noch das Nadelöhr durch das sich die LKW-Massen quetschen müssen: der Lewis Pass.

Mittlerweile haben wir unser Tempo gefunden und kratzen trotz der kurzen Tage wieder täglich an den hundert Tageskilometern. Dafür müssen wir uns morgend allerdings zusammenreißen und das Zelt noch gefroren einpacken.

Die Gegend wird hügeliger und die Landschaft entschädigt uns zumindest etwas für den Verkehr.

Wir erwischen einen super Tag. Auf vielen Pässen schneit es bereits,

Wir haben allerdings Glück, auch der Verkehr ist geringer am Wochenende (Fotos können wir nur machen wenn grad gar nichts kommt).

Diesen Beitrag schreiben wir, während wir auf dem Campingplatz in Christchurch warten. Gegen 6 Uhr morgens soll unser Flug Richtung Sydney gehen. Bikeboxen haben wir schon besorgt, die Fahrräder sind aber noch nicht verpackt. Unser Plan ist mit den Rädern und den Kartons unterm Arm zum Flughafen zu fahren und die Räder vor Ort zu demontieren. Ein Plan mit vielen Schwachstellen. Drückt uns die Daumen, dass alles gut geht. Das nachste Mal melden wir uns dann aus Kalifornien.

In diesem Sinne,

Macht was draus.

D+T

Etappen:

Wellington – Havelock: 42 km

Havelock – Nelson: 83 km

Nelson – St. Arnaud: 103 km

St. Arnaud – Murchison: 67 km

Murchison – Marble Hills CP: 87 km

Marble Hills CP – Hanmer Springs: 95 km

Hanmer Springs – Amberley Beach: 100 km

Amberley Beach – Christchurch: 65 km

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