USA III: Nevada – Wir können hier nicht halten, das ist Fledermausland

18.06.-25.06.2017

Dieser Bericht entsteht kurz vor der Staatsgrenze zu Kansas. Wir kommen mit den Berichten leider nicht mehr hinterher. Unsere Smartphones können die Datenmengen nicht bewältigen und wir haben nun ein weiteres Problem: die Zeit wird knapp. Pausetage sind kaum noch drin, wenn wir New York pünktlich erreichen wollen (der Flug ist gebucht und bezahlt). Zum Glück konnten wir auf einem Campingplatz einige Bilder hochladen und euch erzählen und zeigen wie es uns in Nevada, dem Silver State (berühmt für seine Silberminen), ergangen ist. Unser letzter Bericht endete im Tal des Todes:

Wir sitzen im Death Valley und warten auf unseren Lift. Wir müssen einen ziemlich bemitleidenswerten Eindruck machen, alle fragen, wie es uns geht und wir bekommen vier Dosen Bud Light geschenkt. Das ist übrigens deutlich besser als sein Ruf und mit Eiswürfeln erinnert uns das Gebräu an Südostasien. Warmshowershost Bill aus Nevada holt uns ab. Wir packen die Räder auf das Fahrradrack und uns fällt auch, dass mein Reifen platt ist, anscheinend ist erneut der Schlauch geplatzt, die Felgen sind auf jeden Fall super heiß. Zum Glück ist uns das nicht bei der Fahrt durch den Glutofen passiert. Bills und Arikas Mission ist es, Radler sicher durchs Death Valley zu bringen – deshalb sind sie entsprechend vorbereitet, im klimatisierten Auto wartet kaltes Wasser auf uns. Auf die Frage, ob wir und auf dem Rückweg noch das Badwater Basin anschauen wollen, gibts es nur eine Antwort: Natürlich! Ich hatte schon damit abgeschlossen, den Startpunkt des Badwater Ultramarathons noch zu Gesicht zu bekommen. Auf einer Infotafel sind die tiefsten und heißesten Orte der Welt markiert: Turpan in Westchina (zweittiefster Punkt – dort waren wir letzten Oktober) und der Südwesten des Irans sind auch dabei, von dort kommt der Englischlehrer, den wir in Georgien getroffen haben und der uns unseren Farsiüberserzungszettel geschrieben hat – klein ist die Welt der Radreisenden.

Wir überfahren unsere erste Stateline also nicht mit dem Rad, sondern mit dem Auto, seis drum. Von unseren Warmshowers-Gastgebern lernen wir einige wichtige Tipps für unsere Tour durch das Spielerparadies Nevada. Die Kasinos eignen sich hervorragend, um viel und günstig zu essen. Oft ist das Frühstück spottbillig oder bis zu einer gewissen Uhrzeit umsonst, um die spätabendlichen Spieler dazu zu bewegen, gleich die ganze Nacht durchzumachen. Bei der Gelegenheit lernen wir auch, dass ein amerikanisches Salatbuffet (all you can eat) wenig mit unserer Vorstellung von Salat gemein hat und wir verlieren jegliche Scham, wenn es um Free-Refills an der Sodafountain geht.

Überhaupt dreht sich in Nevada alles um Glücksspiel. Die Lebenshaltungskosten und Steuern sind niedrig und vieles wird aus den Einnahmen durch die Spieler finanziert. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, ihren Angestellten mindesten 2 Gehaltschecks im Monat auszustellen, viele werden sogar wöchentlich bezahlt. Alles um zu vermeiden, das alles auf einmal verzockt wird. Die Versuchung dazu ist groß, gibt es abgesehen von Kirchen doch in praktisch allen Gebäuden einarmige Banditen.

Wir nähern uns dem Epizentrum des Glücksspiels, der Glitzermetropole in der Wüste Nevadas, Sin City, Las Vegas.

Wir kämpfen uns erneut durch die Hitze. Immerhin sind an den Tankstellen die Becher mittlerweile doppelt so groß wie in Kalifornien und der Liter Coke ist für nen Dollar zu haben. Wir fahren durch eine unvergessliche Abfahrt mit 70 km/h auf neuen Straßen durch den Red Rock Canyon Richtung Vegas, als die ersten funkelnden Türme am Horizont auftauchen. Mitten in der Wüste.

Uns bleibt die Suche nach einer Unterkunft erspart, stattdessen erwartet uns Bryan (der Kletterer aus Yosemite) mit kühlen Getränken und gegrilltem Gemüse (das erste gesunde Essen seit langem). Sportlich und menschlich ist unser Host eine sehr inspirierende Persönlichkeit und unsere Gespräche auf gleicher Wellenlänge geben uns viel Stoff zum Nachdenken für die nächsten Wüstenetappen.

Bryan zeigt uns beide Seiten von Las Vegas, die der normalen Menschen, die hier leben und arbeiten und die Welt am Strip, den wir abends zusammen besuchen, natürlich nicht ohne ein paar Dollar an den einarmigen Banditen zu verlieren.

Die Stadt ist ziemlich absurd und faziniert uns nach Tagen in der Wüste aber umso mehr. Obdachlose leben aus den Mülltonnen, während nebenan Millionen verspielt werden. Ein Dollar in die Maschine und auch du kannst reich werden – sehr sinnbildlich für die amerikanische Gesellschaft, im Guten wie im Schlechten.

Wir verlassen das große Haus von Bryan mit Klimaanlage und die Gated Community bei Wüstenhitze. Dieses Mal geht es mit dem Rad auf den Strip. Es stehen einige Besorgungen an. Neben der neuen Simkarte geht es für mich mal wieder zum Barbier, wie in jedem neuen Land immer ein Abenteuer.

Weit kommen wir an diesen Tag nicht, am anderen Ende der Stadt entscheiden wir uns mal bei booking.com vorbeischauen. Unter der Woche kann man in Vegas spottbillig übernachten. Für 20 $ mieten wir uns in ein Hotel mit angeschlossener Craftbeerbrauerei ein und genießen das Leben. Am nächsten Tag kostet das gleiche Zimmer 6 mal so viel (es ist Samstag) und wir quälen uns weiter durch die Hitze Richtung Arizona.

In diesem Sinne,

Macht was draus.

D+T

 

Etappen:

Pahrump – Las Vegas: 110 km

Las Vegas: 22 km

Las Vegas – Henderson: 21 km

Henderson – Lake Mead: 36 km

Lake Mead – Kingman: 126 km

 

 

 

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