Vietnam II – Bis nach Hanoi

25.12.2016 – 04.01.2017

Im letzten Beitrag waren wir noch guter Dinge, was Sa Pa angeht. Leider war es eine einzige Enttäuschung, ein nerviger Ort und das erzählen wir nicht nur, weil wir Weihnachten komplett auf dem Klo verbracht haben 😉 Egal, nach kurzer Zwangspause geht’s weiter, der Durchfall ist zwar noch nicht ganz überwunden, doch wir fühlen uns stark genug. Vor ein paar Tagen meinten wir noch, bisher wären wir ohne Magen-Darm-Geschichten ausgekommen – das ist jetzt auch kein Problem mehr. Das coole australische Ehepaar mit deutschen Wurzeln, vor denen wir damit im Restaurant prahlten, bezahlte darauf unsere Rechnung und warnte uns vor westlichem Essen, weil dieses regelmäßig für Beschwerden sorgt – sie sollten Recht behalten. Nicht nur auf westliches Essen, sondern auch auf andere Reisende und etwas touristische Bequemlichkeit hatten wir gehofft, gefunden haben wir feiernde Partytouris und Einheimische, die uns ständig nur abziehen wollen. Unser erstes Weihnachten auf Tour haben wir nicht wirklich genießen können, am 23.12. gab es allerdings eine erzählenswerte Anekdote. Auf der Suche nach einer Weihnachtsparty landen wir in einer vietnamesischen Bar, die meisten Gäste sind Chinesen. Der Barkeeper erklärt uns für die Musik verantwortlich, wir wittern unsere Chance, die Mucke langsam von elektronischem Umms Umms hin zu Bob Dylan zu verändern. Leichter gesagt als getan, umso tanzbarer die Musik, umso mehr gehen die Chinesen ab, umso mehr freut sich der Barkeeper – wir chatten mit unseren Freunden, um etwas musikalischen Input zu bekommen (unsere Musikkenntnis endet mit den 80er Jahren) und unterhalten die chinesische Meute – wer hätte das gedacht…

Nach 35 km Abfahrt von Sa Pa waren wir wieder in dem Vietnam, das wir an den ersten Tagen kennengelernt haben, wir werden mit einem Lächeln gegrüßt und haben auf dem Weg in die Hauptstadt ein paar Etappen durch beeindruckende Landschaft vor uns. Die Hügel machen uns etwas zu schaffen, da wir noch nicht wieder ganz bei Kräften sind. Wir vermissen das chinesische Essen und die guten und sauberen Restaurants selbst in kleinen Orten. In Vietnam gibts meist nur Pho-Suppe, entweder mit Rind oder Huhn. Nach unserem Fiasko in Sa Pa sind wir misstrauisch, was das Essen angeht und ekeln uns noch mehr als sonst bei der Vorstellung, dass in unserer Suppe mal ein totes Tier gelegen hat. Wir schmeißen seit langem mal wieder den Kocher an und geniessen die letzten kirgisischen Nudeln, mit kasachischer Maggi-Tomatensauce, die wir drei Monate durch ganz China geschleppt haben. Den Rest der Zeit bis Hanoi essen wir praktisch nur Obst, das einzige, bei dessen Anblick uns nicht gleich wieder schlecht wird.

Unterkünfte finden sich so einfach am Straßenrand, dass wir das Zelt bisher noch nicht haben aufbauen müssen (dies gestaltet sich in Straßennähe auch sehr schwierig), für weniger als 10€ kann man ein richtig gutes Zimmer bekommen.

Neben der Straße passiert so einiges. Hahnenkämpfe sind dabei deutlich weniger spektakulär, als die Gruppe von Häftlingen, die in gestreiften Anzügen neben der Straße schuften und von schwer bewaffneten Soldaten bewacht werden. Beide Gruppen winken überschwenglich, als wir vorbeidüsen.

Kurz vor Hanoi knacken wir die 14000km Marke, die letzten 1000 waren im geschwächten Zustand ziemlich zäh und auch die Pause in Sa Pa war wenig erholsam. Das müssen wir in der Hauptstadt nachholen.

Wir erreichen ziemlich ausgehungert Hanoi, aber unseren Mägen geht es besser: die Fressorgie kann starten. Wir bestellen im nächsten veganen Restaurant jeder gleich zwei Gerichte und der Kellner warnt uns noch, dass das viel zu viel sei – mit zwei hungrigen Radfahrer hat er allerdings nicht gerechnet, es bleibt nichts übrig. Hanoi gefällt uns ausgezeichnet, der koloniale Charme der Architekur, der chaotische Verkehr (macht wirklich Laune so ganz ohne Regeln umher zu fahren) und die Vielzahl an Gemüserestaurants.

Wir verbringen Silvester in Hanoi. Es steigt eine fette Party in der Innenstadt, tausende Menschen sind auf der Straße, im Stadtzentrum gibt es eine große Bühne, die von einer internationalen Brauerei gesponsert wird. Im Unterschied zu solchen Großveranstaltungen in anderen Hauptstädten kommt man hier völlig ohne Sicherheitsvorkehrungen aus (die paar Soldaten sind eher zum eigenen Vergnügen da, um die knapp bekleideten Sängerinnen in Glitzerkostümen zu bestaunen). Die Grundstimmung ist super entspannt (wir sollten in den nächsten Tagen noch merken, dass die Vietnamesen auch anders können: unser Stammrestaurant liegt im Clinch mit der gegenüberliegenden Garküche, Anlass sind wahrscheinlich die Scooter-Parkplätze. Der Streit eskaliert regelmäßig mit Faustkampf, Haare ziehen und Klamotten zerreißen. Gruselig wird es, als die Köchin dazukommt und noch das Küchenmesser dabei hat). Punkt 12 gibt es 5 Raketen von der Bühne, dann ist Schluss. 5 nach 12 sind alle wieder auf dem Nachhauseweg, auch die Kneipen haben zu – auch gut. In Berlin sind wir gewohnt, dass ne Party nicht vor 10/11 Uhr steigt – ist wohl besser für unsere Kondition.

Wir besuchen das vietnamesische Nationalmuseum. Das Museum ist leider wenig empfehlenswert, aber die Bilder über den Amerikanischen Krieg (alles eine Frage der Perspektive) sind sehr eindrucksvoll, lustigerweise steht genau dahinter ein Cola-Automat. 2016 feiert Vietnam Jubiläum der Đổi mới (Erneuerung) Politik der warktwirtschaftlichen Reformen hin zur sozialistischen Marktwirtschaft, dieser ist im Museum eine Sonderausstellung gewidmet. Die positiven Effekte dieser Öffnung, die nicht für den politischen Bereich gelten, sieht man am Straßenrand. Die modernen Häuser tragen Jahreszahlen jüngeren Datums am Giebel. Endlich wissen wir den Grund für die festliche Beflaggung mit kommunisitschen Symbolen, die uns seit der Grenze immer wieder auffällt.

Wir haben beide kaum Erfahrung mit touristischen Gegenden und tun uns etwas schwer in Vietnam. Zwar kennen wir mittlerweile die Preise, sind aber zu leicht über den Tisch zu ziehen. Daran müssen wir arbeiten und dazu haben wir jetzt auch noch etwas mehr Zeit. Vor ein paar Tagen hab ich mir den Knöchel verstaucht. Gebrochen ist, soweit wir das einschätzen können, nichts (irgendwas zwischen 1. und 2. Grad der Verstauchung, bisschen blau und geschwollen). Trotzdem gilt es, die nächsten Tage die Füße hochzulegen (was uns immer schwer fällt). Solche Dinge häufen sich bei uns im Moment, wir sind einfach auch schon eine ganze Zeit unterwegs.

Aber he, der Zeitpunkt ist ganz ok. Wir müssen eh auf den Stempel zur Visumsverlängerung warten und hatten uns ja auch vorgenommen, etwas in Hanoi zu bleiben. Für wenige Dong geht es mit dem Taxi zum Kino. Star Wars in Hanoi, der Film gefällt uns super und der Abend wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Außerdem gibt es eine neue Folge Sherlock – ein Grund mehr, im Bett zu bleiben.

Mit dem Visum ist es etwas unglücklich gelaufen. Wir haben nur ein 30 Tage-Visum, weil wir gedacht haben, das könne man einfach und günstig in Hanoi verlängern. Dem ist nicht so, ganz im Gegenteil. Es ist doch sehr viel zeitaufwändiger und auch teurer als ursprünglich gedacht. Man muss sich an eine Agentur wenden, wir haben einfach den Tourveranstalter um die Ecke vom Hostel gefragt. Nun sind unsere Pässe in Saigon und wir müssen bis Mitte des Monats warten, um sie wieder zu bekommen. Wir haben aber Ende des Monats einen Termin (dazu mehr in den nächsten Beiträgen), den wir unbedingt wahrnehmen wollen, also haben wir keine andere Wahl als die Verlängerung zu machen.

Wir legen noch ein bisschen die Füße hoch und fahren dann an die Küste. In diesem Sinne,

Macht was draus,

D+T, Hanoi, 04.01.2017

 

Kilometerstand: 14135 km

Etappen:

Pausetag in Sa Pa (25.12.)

Sa Pa – Pho Lu: 85 km

Pho Lu – Pho Rang: 47 km

Pho Rang – Yen Bai: 99 km (der Durchfall ist vorbei !!)

Yen Bai – Co Tiet: 86 km

Co Tiet – Hanoi: 85 km

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