Thailand I: Drei Katzen, Fahrradkultur und viel Gemüse

English version below

07.02.-24.02.2017

An unseren ersten Tagen in Thailand haben wir noch mit einem Mitbringsel aus Laos zu kämpfen: einer weiteren Lebensmittelvergiftung. Es gibt wenig schönere Orte auf der Welt als das traumhafte Guesthouse direkt am Mekong, um zwei Tage auf dem Klo zu verbringen. Dieses Mal hat es aber nur mich erwischt und Toni hat Gelegenheit mal richtig auszuspannen. Unter den Moskitonetzen unserer Betten lesen wir bis spät in den Abend, bis der Mond den Mekong beleuchtet und das Stelzenhaus, in dem wir übernachten, in ein atmosphärisches Licht taucht.

Der Grenzübergang war erneut super einfach: wir sind weder Fußgänger noch Autofahrer, also wird unser Gepäck gar nicht kontrolliert, nur Pass vorzeigen und ein paar Zettel zur Ein- und Ausreise ausfüllen. Die Einreise über die Friendship Bridge ist besonders schön und erlaubt einen fließenden Übergang zum Linksverkehr, der uns überraschend leicht fällt – nur an großen komplizierteren Kreuzungen ist uns nicht immer klar, wer dran ist, die Thai fahren allerdings rücksichtsvoll und wir sind deutlich Schlimmeres gewöhnt, also alles kein Problem.

Die ersten Tage fahren wir den Mekong entlang, an beeindruckenden und sehr abwechslungsreichen Landschaften. Thailand bietet Radreisenden einfach alles, perfekte große Staßen, wenn wir schnell vorankommen wollen, kleine abgelegene Wege mit wenig Verkehr, um Land und Leute kennenzulernen und Trails fürs abenteuerliche Radeln. Wenn man will, kann man alles an einem Tag haben. Wildzelten macht endlich wieder richtig Spaß, wollen wir stattdessen eine erfrischende Dusche, gibts am Straßenrand Unterkünfte in allen Preisklassen – grandios. Jeden Tag treffen wir thailändische Radler. Das Radreisen und sportliche Rennradeln erlebte hier in den letzten Jahren einen Riesenboom, Auslöser dafür war insbesondere der Singlespeed- und Fixed Gear-Trend, der viele Thais aufs Rad gebracht hat. Carbonrennmaschinen überholen uns mit einem freundlichen Gruß und Fahrer auf vollbepackten Rädern auf der anderen Straßenseite sprühen vor Begeisterung. Wir lieben Fahrräder und alles, was damit zu tun hat und es macht großen Spaß, endlich wieder durch ein Land mit Fahrradkultur zu radeln.

Ein Erlebnis unserer ersten Woche ist besonders berichtenswert und beschreibt perfekt die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen, die uns hier begegnet sind. Die Grenzsoldaten, die entlang des Mekongs, der auch der Grenzfluss zu Laos ist, stationiert sind, feiern ihr langjähriges Bestehen mit einem großen Festival, bei dem alle umsonst am Flussufer campen können – und das mitten im Stadtpark von Chiang Khan. Sanitäranlagen der Kaserne können auch kostenfrei genutzt werden, so verbringen wir eine budgetschonende Nacht im Zelt und sind trotzdem frisch geduscht, das ist gar nicht so unwichtig, es wird nämlich langsam richtig heiß (nachts bleibt es immerhin noch angenehm kühl). An diesem Abend lernen wir von einem Englisch sprechenden, pensionierten Soldaten viel über die Region. Unsere Räder und Klamotten können wir auf dem Zeltplatz stehen lassen, ohne uns Sorgen machen zu müssen und wir schauen uns die Stadt und das Fest an.

Für die nächsten Tage steht also genau das auf dem Plan, was wir uns für Thailand erhofft hatten: Genusstouren. Wir radeln auf kleinen aber meist gut asphaltierten Straßen durch die Reisfelder. Hierbei gibt es allerding einen kleinen Wermutstropfen, denn genau diese Reisfelder werden im Moment abgefackelt, also Vorsicht beim Campen! Die Luft und die Fernsicht leiden etwas unter diesem Klima, dafür sind in der „Burning Season“ deutlich weniger Leute unterwegs.

Wir sind unterwegs nach Chiang Mai. Oft werden wir gefragt: „Warum das denn?“. Ist die alte Hauptstadt im Norden doch ein ziemlicher Umweg, wenn es danach nach Bangkok gehen soll. Als wir vor 11 Monaten unsere Wohnung aufgelöst haben und auf unseren Isomatten im ansonst leeren Wohnzimmer lagen, haben wir uns die Videos von Sabrina, einer ehemaligen Arbeitskollegin und Freundin, aus ebendieser Stadt angeschaut, in der sie seit fast 2 Jahren immer mal wieder zu Hause ist. Chiang Mai ist für uns so zu einem abstrakten Sehnsuchtsziel geworden, damals war es so weit weg und irgendwie unvorstellbar mit dem Rad bis nach Nordthailand zu fahren.

 

Die Einfahrt in die Stadt ist dann tatsächlich ein tolles Gefühl, Chiang Mai ist kein Zwischenziel mehr, sondern wirklich eines der Dinge, die wir auf dieser Reise erreichen wollten. Unsere Tour ist aber noch lange nicht vorbei, vielmehr sind wir im Herbst unserer Reise angekommen, deshalb steht in CM auch noch einiges an Papierkram auf dem Plan, wir haben nämlich noch so einiges vor 😉. Abgesehen davon hat die Stadt auch einiges zu bieten und wir freuen uns auf ein paar entspannte Tage in der übersichtlichen Altstadt.

Deshalb müssen auch die Räder mal wieder etwas gewartet werden (falls ihr euch wundert, warum wir so oft in Radläden unterwegs sind: In Vientiane konnte das Tretlager in meinem Rad leider nicht getauscht werden, also mussten wir es in CM erneut probieren, abgesehen davon sind wir auch Perfektionisten, wenn es ums Rad geht, alles muss geräuschlos laufen, und wir lassen gerne ab und zu einen Profi drübergucken.) Ganz abgesehen davon gehen wir einfach gerne in Radläden 🙂 Dafür besuchen wir Triple Cats Cycle, einen Laden speziell für Reiseräder, den Pnuc zusammen mit seinen drei Katzen betreibt. Ständig sind andere Radreisende im Shop und als wir ankommen, werden wir gleich zum Abendbrot eingeladen- bevor Reisegeschichten ausgetauscht werden und gefachsimpelt wird. Pnuc leistet einen hervorragenden Job, er versucht ein neues Tretlager über den Importeur zu bekommen, das passt am Ende dann leider doch nicht. Wir entscheiden uns, eine neue Kurbel mit 4-Kant-Innenlager einzubauen. Er stellt alles perfekt ein und die nächsten Tage werden ein reines Vergnügen werden, wenn wir über den nachtschwarzen Asphalt gleiten und die frisch geölte Rohloff im Hinterrad surrt. Mit Sabrina besuchen wir die besten der vielen Gemüserestaurants der Stadt und genießen Smoothies und Salate im Überfluss. Im Überfluss sind auch die Märkte ausgestattet und wir decken uns für kleines Geld mit reifen tropischen Früchten ein. Seit Monaten sehnen wir uns danach, mal wieder ein Livekonzert zu besuchen, in CM tanzen wir uns zu einer Roots Reggae Band die Strapazen der letzten Monate und den ganzen Visumsstress von der Seele.

Die nächsten Wochen und Monate versprechen, sehr spannend zu werden, wir müssen uns entscheiden, welche Richtung wir einschlagen wollen und wohin die Reise gehen soll, aber wir wollen diesbezüglich auch noch nicht zu viel verraten ;-).

In diesem Sinne:

Macht was draus!

T+D, Chiang Mai

 

Etappen:

 

Vientiane – Nong Khai (über die Friendship Bridge): 28 km

2 Pausetage dank Lebensmittelvergiftung

Nong Khai – Sangkhom: 87 km

Sangkhom – Chiang Khan: 110 km

Chiang Khan – Ban Khok Ngom: 103 km

Ban Khok Ngom – Nakhon Thai: 72 km

Nakhon Thai – Ban Chattrakham: 41 km

Ban Chattrakham – Uttaradit: 89 km

Uttaradit – Wang Chin: 100 km

Wang Chin – Ban Pa Kay Nuaen : 86 km

Ban Pa Kay Nuaen – Chiang Mai: 90 km

Kilometerstand: 16430 km


Thailand I: Triple Cats, bicycle culture and lots of veggies

07.02.-24.02.2017

On our first days in Thailand we still have to fight with a souvenir from Laos: another food poisoning. There are less beautiful places in the world than the fantastic guesthouse directly at the Mekong to spend two days on the loo. This time, however, it has only caught me and Toni has the opportunity to really relax and make the most out of our stay. Under the mosquito nets above our beds, weve read until late in the evening and until the moon illuminates the Mekong and the stilts house where we spend the night, dives into an atmospheric light.

The border crossing was once again super easy: we are neither pedestrians nor car drivers, so our luggage is not checked, only passport and a few notes to the entry and exit were needed to fill out. The crossing over the Friendship Bridge is particularly beautiful and allows a smooth transition to the left-hand traffic, which is surprisingly easy for us – only at large complicated crossings is not always clear to us who is first, the Thai drive however ruthlessly and we are accustomed to traffic much worse, so everything is no problem.

The first days we were riding along the Mekong, in impressive and very varied landscapes. Thailand offers everything you need for a fun-filled trip, great tarmac if you want to go fast, small remote paths with little traffic, to get to know the country and the people, and trails for adventurous cycling. If you want, you can have it all in one day. Wild camping is finally really fun again, if we want a refreshing shower instead, there is street side accommodation in all price classes – terrific. Every day we meet Thai cyclists. Cycletouring and road biking have experienced a huge boom here in the last few years. The singlespeed and fixed gear trend, which has brought many Thais on the wheel, was the trigger. Carbon racing machines overtake us with a friendly greeting and riders on fully loaded bicycles on the other side of the road spray with enthusiasm. We love bicycles and everything that has to do with them and it is great fun to finally cycle through a country with bicycle culture.

An experience of our first week is especially worth mentioning and describes perfectly the friendliness and openness of the people who we have met here. The border soldiers, who are stationed along the Mekong, which is also the border river to Laos, are celebrating their long-standing existence with a great festival in which everyone can camp at the riverbank in the middle of the city park of Chiang Khan. Sanitary facilities of the barracks can also be used free of charge, so we spend a budget-friendly night in the tent and are still freshly showered, which is not so unimportant, it becomes slowly really hot (at night it remains still coolly cool). This evening, we learned a lot about the region from an English-speaking, retired soldier. We can leave our bikes and clothes on the campsite without worrying about it and enjoyed a closer look at the city and the festival.

For the next few days, we have exactly what we had hoped for in Thailand: pleasure riding. We cycle through the rice fields on small but mostly asphalted roads. There is, however, a small vermouth drop, because exactly these rice fields are burning at the moment, so be careful when wild camping! The air and the view suffer somewhat from this climate, but there are significantly fewer people on the road in the „Burning Season“.

We are on the way to Chiang Mai. Often we are asked: „Why this?“. Is the old capital in the north but a quite detour, if it is to go to Bangkok afterwards. When we disbanded our apartment 11 months ago and were lying on our mattresses in the otherwise empty living room, we looked at the videos of Sabrina, a former working colleague and friend from recorded in this just this city, where she has on different occasions been at home for almost 2 years now. Chiang Mai has become an abstract dream destination for us, at that time it was so far away and somehow unimaginable with the bike to go to North Thailand.

 

Entering the city is really a great feeling, Chiang Mai is no longer an intermediate destination, but really one of the things we wanted to achieve on this trip. Our tour is far from over, but we have arrived in the autumn of our trip, so there is still a lot of paperwork (for visa) on the agenda in CM. Apart from this, the city also has a lot to offer and we look forward to a few relaxing days in the old town.

This is why the bikes have to be serviced again (if you are wondering why we are so often in bikeshops on this journey): In Vientiane, the bottom bracket in my bike could not be replaced because there was no spare part, so we had to try it again in CM. Apart from that, we are also perfectionists when it comes to the bike, everything has to run silently, and we like a professional to have a look on it from time to time:-) For this we visit Triple Cats Cycle, a shop especially for touring bikes, owned by Pnuc together with its three cats. There are always other cyclists in the shop and when we arrived, we were instantly invited for dinner – before travel stories were exchanged and a great chat was about to begin. Pnuc does an excellent job, he tries to get a new bottom bracket over the importer, but that does not fit in the end. We decide to install a new crank with square taperes bottom bearing. He puts everything in perfect condition and the next days ride will be a pure pleasure when we glide over the jet black asphalt and the freshly oiled Rohloff in the rear wheel buzzes. With Sabrina we visit the best of the many vegetable restaurants in the city and enjoy smoothies and salads in abundance. In abundance are also the markets equipped and we cover ourselves for small money with ripe tropical fruits. For months now we have been looking for a live concert, in CM we danced offthe hardships of the last few months and the whole visa stress to a Roots reggae band.

The next few weeks and months promise to become very exciting, we have to decide which direction we want to take and where the trip should go, but we do not want to reveal too much in this regard  😉

Macht was draus,

T+D, Chiang Mai

 

Stages:

 

Vientiane – Nong Khai (over the Friendship Bridge): 28 km

2 restdays thanks to food poisoning

Nong Khai – Sangkhom: 87 km

Sangkhom – Chiang Khan: 110 km

Chiang Khan – Ban Khok Ngom: 103 km

Ban Khok Ngom – Nakhon Thai: 72 km

Nakhon Thai – Ban Chattrakham: 41 km

Ban Chattrakham – Uttaradit: 89 km

Uttaradit – Wang Chin: 100 km

Wang Chin – Ban Pa Kay Nuaen : 86 km

Ban Pa Kay Nuaen – Chiang Mai: 90 km

Total kilometers: 16430 km

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