Türkei I: Bis nach Istanbul

07.06.-09.06.2016

Merhaba Türkiye!
Nachdem wir eine entspannte letzte Nacht in Bulgarien verbracht haben, ging es den Berg hoch Richtung Grenze. Nach Serbien die zweite richtige Grenze (mit Stempel im Pass) und hier kann man wirklich von Grenze sprechen – eine Menge Stacheldraht ist zu sehen. Auf Bulgarischer Seite ist der Grenzbeamte genauso entspannt wie bei der Einreise. Es wird deutsch gesprochen: „Antonia und Daniel sind da“ werden wir den anderen Beamten vorgestellt – alles easy. Auf türkischer Seite dann das Unerwartete, alles genauso entspannt – wir haben schon von Taschenkontrollen gehört. Nach 5 Minuten ist die Sache gegessen – Stempel im Pass, nichts zu verzollen, weiter gehts. Die Straße zur Grenze ist oft die schickste in der ganzen Gegend, beginnt kurz vor der Grenze und endet dann meist relativ schnell wieder, nicht so hier. Die Bergstraße auf türkischer Seite bleibt uns ca. 50km erhalten. All die Höhenmeter der letzten Tage geht es jetzt bergab, auf perfekten Straßen mit kaum Verkehr (wir haben die dreispurige Straße oft für uns alleine), teilweise kann man die Straße über viele Kilometer am Horizont sehen, wie sie sich durch die Berge schlängelt. Daniel erreicht eine neue Höchstgeschwindigkeit, knapp 78 km/h!! Da vollbepackte Rad fährt wie auf Schienen über den Flüsterasphalt in beeindruckender Kulisse – so geil. Das Lächeln kriegen wir den Rest des Tages nicht aus dem Gesicht. Bulgarien ist nur wenige Kilometer entfernt, trotzdem wirkt die Natur völlig anders.
Wir treffen unterwegs einen Radler aus Frankreich. Er ist auf dem Weg von Indien nach Hause – wenn wir am Ende unserer Reise nur 10% seiner Entspanntheit erreicht haben, wären wir echt froh. Als er uns sieht, schiebt er sein Rad seelenruhig über die drei stark befahrenen Spuren auf seiner Seite und hebt es über die Leitplanke, nur um sich mit uns unterhalten zu können.

Im Moment ist Ramadan, das Fasten wird hier aber größtenteils nicht so ernst genommen, zumindest sehen wir viele, die schon vor Sonnenuntergang essen. Den Moment, wenn das Fastenbrechen verkündet wird, kriegen wir aus unserem Zimmer mit – ein spannender Moment im Abendlicht mit der Moschee direkt nebenan. Wir schauen türkisches Fernsehen und sehen Ramadan-Werbung, alle Unternehmen überbieten sich mit Angeboten – erinnert uns ziemlich an Weihnachten. Die gelebte Religiösität und der Hauch von Orient faszinieren uns.

Den ersten Abend in der Türkei verbringen wir in einem Cig Köfte Laden. Cig Köfte ist eine scharfe Paste aus Bulgur und Kartoffeln, die wie die Fleichvariante im Fladenbrot gereicht wird. Immer mehr Leute versammeln sich in dem kleinen Laden, bis die ganze Familie da ist und eine Tante gefunden ist, die viele Jahre in Deutschland (Bielefeld) gelebt hat und für uns übersetzt. Vieles geht aber auch ohne die korrekte Aussprache. Ein Bier um die Zunge zu lockern, gibt es nicht. Auf lokaler Ebene hat man sich in dem Ort, in dem wir übernachten, darauf geeinigt, keinen Alkohol zu verkaufen. Da ist sie nun, die türkische Gastfreundschaft, von der wir so viel gehört haben. Auch werden wir ein paar Mal zum obligatorischen Chai eingeladen. Bei jeder Dorfeinfahrt warten wir darauf, dass etwas schönes passiert – wie in Serbien.

Nach einer letzten Nacht im Zelt mitten im Wald geht es dann früh morgens auf die Straße nach Istanbul. Wir wühlen uns durch den anstrengenden Großstadtverkehr auf mehrspurigen Autobahnen und manövrieren durch die Kolonnen von am Steuer telefonierenden Taxi- und Busfahrern. Hupen ist hier das favorisierte Mittel zur Kommunikation, auch Daniels Schildkröten-Tröte kommt hier des Öfteren zum Einsatz. Ab und zu ruft uns jemand aus dem Auto heraus einen Gruß oder ein aufmunterndes Wort zu. Oft auch mit der Frage „Are you from Germany?“, so bekloppt wie wir, mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren, sind wohl nur Ausländer 😀

Am Ende haben wir es trotz aller Widrigkeiten geschafft und die Innenstadt erreicht. In unserem Hostel sind sogar einige andere Tourenradler, mit denen wir uns sofort anfreunden. Jetzt genießen wir erstmal die Stadt und schmieden Pläne für die kommenden Wochen und Monate.

Macht was draus,

T+D

 

Etappen:

Malko Tarnovo – Pinarhisar: 82 km

Pinarhisar – Gümüspinar (Wildcamp): 95 km

Gümüspinar – Istanbul: 82 km

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