Georgien IV: Stuck in the Middle in Tbilisi

22.07 – 27.07.2015

Wir sitzen ein letztes Mal in der Red Wall Bar unseres Hostels. Ein anstrengender Tag geht zu Ende. Gestern abend saßen wir auch hier mit Rebecca, die uns in Tbilisi, nach Belgrad und Istanbul, ein drittes Mal ungeplant über den Weg lief und mit der wir im lokalen Freizeitpark eine Menge Spaß bei Rotwein und Punkmusik hatten. Gestern auch dabei waren Flori und Kathi, die uns von unserem gemeinsamen Warmshowers-Host Berk kannten und uns tatsächlich einfach in einer Bäckerei in der Stadt wiedererkannt haben – die Welt ist halt klein unter Radreisenden. Die beiden hatten super einfach das China-Visum bekommen und einen ungewöhnlich langen Einreisezeitrahmen genehmigt bekommen. Als wir dann noch Gerüchte hörten, dass es in Teheran nur noch einen Monat China gibt (keine Ahnung, ob das stimmt) haben wir uns dann kurzfrisitig, noch am Abend dazu durchgerungen, das Chinavisum auch hier zu beantragen. Der Kopf war schwer vom Bier, als wir unsere Route durch China ausarbeiteten und Hotels buchten. Dann in aller Frühe zum Copyshop zum ausdrucken – das Problem war nur: unsere Pässe waren noch in der falschen Botschaft. Wir haben bereits eine Woche auf Aserbaidschan gewartet – eigentlich kein Problem, da es aber ursprünglich hieß, das Visum sollte schon viel früher da sein, saßen wir etwas zwischen den Stühlen und waren mehrmals bei der Botschaft, nur um erneut auf den nächsten Tag vertröstet zu werden – das Ganze wurde deshalb langsam etwas nervig. Also sind wir heute morgen wieder zur Botschaft mit der Erwartung wieder vertröstet zu werden, dieses Mal hieß es aber: „Your visa are ready“. Also mit den Pässen und einem schnell ausgefüllten Antragsformular ab ins Taxi zur chinesichen Botschaft, alles völlig problemlos, für kleines Geld gab es Expressservice und wir halten die Visa am Nachmittag in unseren Händen. Zweifache Einreise (je 90 Tage) und Einreisefenster bis Ende Januar – so unglaublich geil.

In der aserbaidschanischen Botschaft kannte der Wachsoldat schon unsere Namen, nachdem wir intensiv über die neusten Garmin GPS Laufuhren gefachsimpelt haben. Das mehrmalige Vorsprechen bei den Beamten der Botschaft hat so auch unsere Berührungsängste mit der ganzen Visabürokratie aufgelöst. Auf einer längeren Radreise ist man irgendwann an dem Punkt, dass man ohne Visa nicht weiterkommt – wir können uns kaum eine bessere Stadt zum Warten vorstellen, Tiflis ist schön, abwechslungsreich und budgetschonend. Mittlerweile ist es die längste Pause unserer Reise, bei der Eisdiele um die Ecke müssen wir unsere Bestellung nicht mehr ansagen – wenn wir reinkommen, wird sofort der Schokofrappé vorbereitet und die Freunde unserer Hostelbesitzer grüßen uns bereits mit Handschlag. Während dieser Zeit ist unser Weiterkommen maximal fremdbestimmt, allerdings haben wir mit dem deutschen Pass meist gute Karten und können uns (im Gegensatz zu vielen anderen Menschen auf dieser Welt) kaum über die bürokratischen Schranken beschweren. Mit den Visa in der Tasche (Iran, Aserbaidschan und China) fühlen wir uns jetzt ziemlich frei – uns wurde die Möglichkeit eingeräumt, diese weit entfernten und spannenden Länder zu bereisen und unser Aktionsradius hat sich enorm vergrößert.

Die Zeit in Tbilisi war unerwartet intensiv, im Hostel haben wir Menschen aus aller Herren Länder getroffen und tiefschürfend diskutiert: Politik, Religion, Freiheit – alles stand auf dem Plan und es gibt viele neue Impulse zum Velosophieren auf dem Rad. Highlights unserer zweiten Woche in der georgischen Hauptstadt waren die Galerien: sowohl die Nationalgalerie als auch die Galerie für moderne Kunst (die man auch in dieser Reihenfolge besuchen sollte) haben uns schwer beeindruckt. Moderne Kunst mit sehr eigenem georgischen Charakter (der einem umsomehr auffällt, wenn man erst die Nationalgalerie und dann die modernen Werke besucht) – in keiner Ausstellung haben wir uns je wohler gefühlt als im MoMa Tbilisi – einladende Architektur, die wenigen Besucher, die sich gut verteilen und nicht zuletzt die beeindruckende Kunst führen dazu, dass wir Tbilisi inspiriert verlassen.

Hinter einen wichtigen Punkt auf unserer To-Do-Liste können wir nun übrigens einen Haken machen: ein neuer Ehering für Daniel (der letzte ging in den Fluten des bulgarischen schwarzen Meeres verloren).

Morgen früh aufzubrechen fühlt sich für uns an wie eine neue Reise, die Kondition ist weg, vor uns liegt ein völlig anderer Abschnitt als vorher – die Neugierde und die Abenteuerlust ziehen uns weiter. Wir beginnen uns zu verändern, wir sind entspannter und positiver was die den Fortgang der Reise angeht – eine gewisse Grundentspanntheit macht sich breit, auch wenn es viele nervige Situationen während der Warterei gab.

Noch wissen wir nicht wie viel Internet es in den nächsten Wochen und Monaten gibt, die Häufigkeit der Beiträge wird vielleicht abnehmen. Wir freuen uns total auf unser nächstes Reiseland und insbesondere auf Baku, vielleicht wird es also auch wieder mehr Pausen geben – Wer weiß?

Macht was draus.

Love + Peace

T+D

2 Responses to “Georgien IV: Stuck in the Middle in Tbilisi

  • Torsten Skalski
    2 Jahren ago

    Alles nur wegen ne Lenkertasche, ich verfolge euch und freu mich über eure Erfahrungen.
    Ihr macht das richtig gut, ihr geniesst das was auf euch zukommt. Ich versetze mich in eure Lage und kann ein Teil mit geniessen. IN euren Alter hab ich einen anderen Weg eingeschlagen, auch mit viel Urlaub und mit Kindern, es war immer wundervoll.
    Jetzt sind die Kinder gross und ausser Haus und ich träum davon was ihr gerade macht.
    Irgendwann wird die Zeit kommen …
    Wünsch euch alles gute, genießt alles was euch unter den Mantel kommt 🙂
    See you later Alligator

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Translate »
%d Bloggern gefällt das: