Iran III: Über den Kandovanpass nach Teheran

17.08.2016-19.08.2016

Von der iranischen Hauptstadt trennt uns nur noch ein hoher Pass, die Angaben zur Höhe variieren zwischen 2500 bis 2800 Meter (beim letzten Blick auf das GPS waren es etwas mehr als 2650 m). Da wir uns für Aserbaidschan und damit gegen die armenischen Berge entschieden haben, sind wir noch nicht in Form für die hohen Berge, die uns in Kirgistan erwarten. So wurde diese Bergstraße unsere Generalprobe. Der erste Teil geht am Besten auf dem Freeway, die alte Magistrale liegt direkt daneben und ist steil, schmal und stark befahren, sie kostet nämlich im Gegensatz zur Autobahn keine Maut. Hätten wir vor ein paar Monaten das Mautschild neben dem Freeway gesehen, wären wir wahrscheinlich umgedreht und hätten uns ewig gestritten, wer für die schlechte Planung verantwortlich ist, mittlerweile lassen wir uns davon nicht mehr stressen und überlegen stattdessen wie wir die Maut runterhandeln – tatsächlich wurden wir einfach durchgewunken und müssen gar nicht bezahlen.

Mit dem Freeway beginnt der Anstieg. Die Straße ist perfekt, aber nach 15 km ist Schluss, der Freeway ist seit min. 12 Jahren im Bau und wird trotz chinesischer Hilfe nicht fertig. Wir sind mit unseren Rädern ja schon länger die Attraktion in den Städten, hier in den Bergen führt jede Pause zu einer Menschenansammlung. Geht einer von uns ne Cola holen und kommt dann zurück, ist der jeweils andere immer von einer Traube Menschen umringt, die Selfies machen. Wir treffen Kourosch, der in England lebt und hier mit Ehefrau auf Honeymoon-Trip ist. Ruckzuck ist unsere Packtasche voll mit Energydrinks, die er aus seinem Kofferraum zaubert (Yeah!). Khorousch beschriebt den Pass, der vor uns liegt als „most scenic route in middle-east“, die Küstenstraße im Libanon soll zwar auch schön sein, wir glauben das aber auf jeden Fall, schaut selbst:

Der Pass gehört landschaftlich zu den eindruckvollsten Etappen unserer Tour und war auch immer Sommer gut fahrbar (auf der Sonnenseite war es manchmal ziemlich heiß, es weht aber oft ein kühler Wind und mit der Höhe wirds sowieso angenehmer). Insgesamt war die Strecke zu Beginn der türkischen Schwarzmeerküste deutlich knackiger – kurze, steile Anstiege sind weitaus anstrengender als die gemäßigte Steigung über längere Zeit. Die canyonartigen Schluchten sind echt schick, oft geht es wenige Meter neben uns steil bergab – insgesamt Radfahren im Iran von seiner besten Seite. Fast jedes Auto hupt, ständig werden wir angefeuert und beklascht, aus dem Auto heraus fragen uns die Leute, wo wir herkommen und ob wir nicht etwas zu essen oder trinken abhaben wollen. Nachdem wir Teheran erlebt haben – die Menschenmengen, die Enge, die Luftverschmutzung – können wir verstehen, warum die Leute so ausrasten, wenn sie mit dem Auto die Stadt in Richtung Berge verlassen (Megastau inklusive). In jedem Tunnel herrscht ein Geschrei wie in der Geisterbahn, alle kreischen und mindestens einer im Auto steht im Dachfenster und lässt das Kopftuch wehen, dazu laute elektronische Musik. Am Besten sind die iranischen Whoo-Girls, fünf fesche Iranerinnen im dicken Auto, die uns jedesmal abfeiern (davon gibt es einige). Auch den einen oder anderen Rennradfahrer sehen wir auf dieser Strecke, alle im besten Tour de France Lycra Outfit.

Während der Abfahrt, die richtig Spaß macht, ändert sich die Landschaft wieder mehr in Richtung Wüste, die Täler sehen aus wie Oasen und der Abschnitt bis Teheran ist wirklich ein Augenschmaus. Wir übernachten ein letztes Mal im Zelt bevor die Großstadt auf uns wartet.

Etappen:
Tonekabon – Marzanabt: 73 km
Marzanabat – Caygarten 80 km
Caygarten – Teheran: 92 km

Macht was draus.

T+D

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