China X – Yunnan: Nö sleep til Kunming

03.12. – 12.12.2016

Die letzten Tage gehören zu den schönsten und abwechslungsreichsten in China. Es gibt so viele Anekdoten zu erzählen, dass wir dieses Mal lieber die Bilder sprechen lassen. Mehr Geschichten und Gedanken wird es in den nächsten Beiträgen geben, wenn wir wieder etwas mehr Zeit haben. Drei Monate sind eine lange Zeit, deshalb haben wir unser Vorankommen etwas über- und die Entfernung etwas unterschätzt, jetzt sitzt uns die Zeit im Nacken und wir müssen zusehen, dass wir die vietnamesische Grenze erreichen. Die letzten zwei Wochen war deshalb ausschließlich Radeln angesagt, seit Leshan hatten wir keinen Pausetag mehr und unsere Fitness erreicht wieder Höhen wie nach der türkischen Schwarzmeerküste.

Unter Reiseradlern gilt Yunnan für viele als Höhepunkt der Chinaetappe, dies können wir nur bestätigen, von Übernachtungsmöglichkeiten (günstige Hotels, traumhafte Zeltplätze) bis zur Freundlichkeit der Menschen, mildem Klima und beeindruckender Natur bei perfekten Straßen gibt es hier alles, was das Radfahren angenehm werden lässt.

Yunnan und Sichuan sind die Heimat vieler Minderheiten, wir fahren durch das Land der Yi (mehr zu dem Thema gibt es bei unseren Radlfreunden Team Oufti). Im Moment ist die Zeit einiger Festivitäten, am Straßenrand wird überall Feuerwerk verkauft und viele traditionell gekleidete Menschen prozessieren in ihrer Tracht durch die Dörfer. Wir tun uns schwer mit Porträtfotos, wir möchten die Menschen hier nicht als Dekoration ablichten. Eines Abends finden wir in der geplanten Stadt bei regnerischem Wetter kein erhofftes Hotel und müssen weiter radeln, bis wir einen geeigneten Zeltplatz finden. Das ganze Dorf ist auf der Straße und ähnlich einem Sankt Martins Umzug geht der Marsch durch das Dorf. Wir zelten mitten im Dorf neben dem Fluss während die Sonne untergeht, bei Feuerwerk und traditioneller Musik im Hintergrund, trotz Regen – ein unvergesslicher Abend, der uns erneut die Vorzüge von Wildcampen und Radreisen vor Augen führt.

Wir verlassen nach einigen unverhofften Anstiegen bis 2600 Metern und der entsprechenden Kälte die Berge und fahren durch sehr fruchtbares Land, das legendäre Shangri La ist nicht weit entfernt. Die Fülle der landschaftlichen Produkte ist unglaublich, man müsste nur links und rechts um sich greifen um die reifen Früchte vom Baum zu pflücken, es gibt Bananen, Guaven, Drachenfrüchte und riesige Aloe Vera Pflanzen.

Zwei Tage reisen wir mit Xixi, er ist auf dem Weg Richtung Tibet und hat zwei gerettete Hundewelpen auf seinem Gepäckträger dabei. Er spricht kein Englisch, aber wir können uns irgendwie trotzdem verständigen. Mit seinem viel leichteren Fahrrad hält er uns ziemlich auf Trab, wir schaffen zusammen viel mehr und schneller zu fahren, als wir es sonst tun würden. Auch, weil wir zu dritt nicht so viele kleine Keks- oder Eisteepausen machen wie sonst.

Zur Mittagszeit suchen wir meist ein Restaurant auf. Eine neue Provinz in China ist wie eine Grenzübertritt in Europa. Auch die Küche ändert sich und ist weniger scharf als in Sichuan. Mittlerweile können wir verschiedene Zubereitungsarten auseinanderhalten und gezielter bestellen. Es türmen sich Berge frischen Gemüses auf unseren Tellern, für die wir am Ende nur wenige Euro bezahlen. Das chinesische Lightbier aus winzigen Gläsern erfrischt uns und rundet das Mahl ab.

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Es gibt Reisterrassen, Dschungel und Landschaften, die mit ihrem roten Stein und den Kakteen an den Süden der USA erinnern.

Nach China eingereist sind wir zur Tag/Nachtgleiche, verlassen werden wir China zur Wintersonnenwende – die Tage werden endlich wieder länger werden.

Ein Highlight der Strecke von Ya’an nach Kunming sind die serpentinenlastigen Anstiege. Einen besonders schönen seht ihr hier. Oben angekommen werden wir von ein paar chinesischen Jugendlichen zum Barbecue eingeladen, leider ist es schon kurz vor Sonnenuntergang und es gibt nur Fleisch – wir müssen leider ablehnen. Im letzten Tageslicht stellen wir dann noch unser Zelt auf einem versteckten Hügel an einem Ziegenpfad auf. Auf knapp 2000 Metern sehen wir den Sonnenuntergang und die Lichter der Stadt unter uns. Ein Traum!

Radfahren wird zum Genuss und wir verbrennen uns trotz Sonnencreme die Haut – wir nähern uns definitiv Südostasien.

In Wuding wohnen wir einem Lichterfest bei. Vor der lokalen Mall brennt ein großes Feuer und die Menschen tanzen im Kreis, ein kurzes Video findet ihr bei Instagram. Die Vielzahl an anerkannten und nicht anerkannten Minderheiten in Südchina ist für uns etwas unübersichtlich. Nach unserem Besuch des „Yunnan Province Museum“ in Kunming können wir hoffentlich detaillierter Auskunft geben.

Wir erreichen Kunming nach 13 Tagen ununterbrochenem Radeln bei bestem Wetter. Die Städt schlägt uns sofort in ihren Bann, es gibt Cafés und Bars, wie wir sie in China noch nicht gesehen haben – wir haben einen Pausetag echt nötig. Vorher steht allerdings noch die Visumsbesorgung für Vietnam auf dem Plan und die Räder müssen auch gewartet werden. In diesem Sinne…

 

Macht was draus,

T+D

Love and Lycra

 

Etappen:

Hanyuan – Camp hinter Liziping (auf den nächsten Kilometern nach der Stadt kann man sehr gut zelten): 93 km

Zeltplatz – Jiancaocun: 63 km

Jiancaocun – Xichang: 99 km

Xichang – Yonglang: 110 km

Yonglang – Panzihua: 123 km

Panzihua – Yongren: 92 km

Yongren – Camp nach Serpentinen, direkt am Gipfel:  91 km

Camp – Wuding: 78 km

Wuding – Kunming: 94 km

 

Kilometerstand: 13204 km

2 Responses to “China X – Yunnan: Nö sleep til Kunming

  • Hallo Ihr Zwei,
    bin heute durch Zufall auf Euren Blog gestossen und versuche jetzt im Schnelldurchgang die letzten paar Monate nachzuholen 🙂
    Vielen Dank dass Ihr Eure Erlebnisse und tollen Fotos teilt.
    Trage mich jetzt in Euren Newsletter ein, damit ich jetzt regelmaessig reinschauen kann wo Ihr so seid und wie es Euch ergeht.
    Weiterhin viel Spass – Geniesst die Reise und das Leben
    Gruss aus Frankreich
    Thorve

    • Daniel & Toni
      2 Jahren ago

      He Thorve,
      uns macht es Spass, die Reise in diesem Blog festzuhalten. Es ist sozusagen unser digitales Tagebuch. Sowohl der Blog als auch die Arbeit daran gibt unserer Reise einen gewissen Rahmen, den wir sehr schätzen. Nach Tagen auf dem Rad machen wir gerne etwas produktives, deshalb ist diese Website auch immer relativ aktuell. Danke, dass du dir die Mühe machst einen Kommentar zu hinterlassen, das freut uns sehr.
      Grüße nach Frankreich, T+D

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