USA I: California über Alles

29.05.-06.06.2017

Ich schreibe diesen Bericht vor einem gigantischen Walmart, während ich im Schatten des Gebäudes sitze. Es ist heiß in Kalifornien. Im Sequoia Nationalpark hat es gestern auf über 2000m noch geschneit, das Zelt war bedeckt mit 10 cm Neuschnee. Die USA machen es uns nicht immer leicht, euch auf dem Laufenden zu halten. Gute Wifi-Verbindungen sind Mangelware und unser Smartphone hat meistens keinen Empfang. Unsere Berichte werden also in nächster Zeit etwas hinterher hinken.

Wir landen in San Francisco und sind etwas enttäuscht: dichter Nebel in Sunny California und Softshellwetter. Die Einreise war eine der einfachsten bisher. Die zuerst mürrisch dreinschauende Beamtin findet unsere Tour super. Das Visum findet sie erst nach unserem Hinweis. Sie hätte uns den Einreisestempel auch so gegeben – alles viel entspannter als gedacht. Uns erwarten keine Soda Fountains oder Cowboyhüte in SF, sondern Fahrradwege in der Innenstadt, Recycling und aufgeschlossene Menschen, unser erster Eindruck von California entspricht so gar nicht dem Klischee von Amerika.

Hinter uns liegen 12000 km Flug. Die lange Zeit im Flieger schlaucht, nichtsdestotrotz war der Flug so angenehm wie ein 15h Flug nur sein kann. Die Räder werden problemlos eingecheckt, ein wenig Übergewicht ist kein Problem (wir haben die Räder sehr gut gepolstert) – unser erster Flug mit einer richtigen Airline. Die Speisekarte liest sich wie das Menü für ein Wochenende im 5 Sterne Resort und alle halbe Stunde gibt es den nächsten Snack. Wir haben das Menü ohne Tier bestellt, das ist sogar noch besser.

In SF wohnen wir bei einem Warmshowers Host, anders könnten wir uns dieses teure Pflaster kaum leisten. Wir quartieren uns im Szeneviertel Mission District ein, für die Miete hier könnten wir in Berlin drei Wohnungen mieten. Unser Gastgeber ist ein Biernarr und hat den Kühlschrank voll mit kalifornischen Brauspezialitäten – wir sind in guter Gesellschaft. Zwischen all den hippen und gut ausgebildeten San Fransciscans sind wir im etwas anderen Staat der USA angekommen. Es gibt eine Art Dosenpfandsystem, alles wird recyclet und es vergeht kein Tag, an dem sich nicht jemand für den Ausgang der Wahl entschuldigt.

San Francisco ist mit Abstand die coolste Stadt dieser Reise und wir lieben den „Vibe“ dieser Stadt. Wir besuchen Mash SF, das fahrradkulturelle Highlight der Stadt. Die Jungs sind super cool und deutlich entspannter als erwartet. Für mich gibt es endlich eine neue Fahrradhose.

Wer mit Mash nichts anfangen kann, dem seien ihre Videos empfohlen, so bekommt ihr auch gleich einen Eindruck von der Stadt und der Gegend.

Von Mash ist es ein Katzensprung zum Golden Gate Park und der bekannten Brücke. Hier könnte man Tage verbringen.

Im Golden Gate Park gibt es einige spannende Museen, deren Besuch allerdings unser Budget sprengen würde, stattdessen investiere ich das Geld in neue Schuhe, die alten verlieren nach über 20000 km die Sohlen. Also ab zum nächsten Outdoorladen.

Wir drehen eine Runde um die Hügel San Franciscos und sehen Alcatraz aus der Ferne, bevor es nach Downtown geht.

Gut gesättigt vom obligatorischen Frühstücksburrito geht es auf den Küstenhighway Nummer 1. Der Weg nach Big Sur ist aufgrund eines Erdrutsches leider gesperrt, deshalb biegen wir schon in Santa Cruz Richtung Osten ab.

Die Strecke ist der reine Genuss und es ist angenehm warm. Uns steckt noch der neuseeländische Winter in den Knochen.

Santa Cruz ist das Surfmekka an der Westküste und ein unglaublich entspannter Ort, perfekt für einen Pausetag. Wir leiden noch am Jetlag und schauen uns zwei halbe Tage die Umgebung an. An der Küste kann man auf vielen öffentlichen Campingplätzen für 5-7$ eine Hiker/Biker-Site beziehen, aber nur für eine Nacht, trotzdem super gut.

Wir nutzen unsere halbe Tage um uns die Umgebung und die Redwoods anzuschauen. Im Ort besorgen wir uns bei Down Works eine neue Benzinflasche. Der zweitbeste Outdoorladen der Welt ist in der Garage untergebracht, in der der Rucksackhersteller Osprey gegründet würde. Mit den Besitzern unterhalten wir uns 2 Stunden lang. Der Laden ist spezialisiert auf ultraleichtes Equipment und an den Wänden stapelt sich die Titanausrüstung und die berühmten Schlafsäcke von Western Mountaineering, die im Nachbarort genäht werden.

Die Redwoods sind die höchsten Bäume der Welt aber nicht mit den Sequoias zu verwechseln. Diese sind deutlich stämmiger, haben damit mehr Volumen und sind deshalb die größten Bäume. Im Sequoia Nationalpark werden wir diese Baumriesen besuchen.

Vorher geht es weiter in Richtung eines anderen Nationalparks: Yosemite (davon mehr im nächsten Beitrag)

Kalifornien wird so warm, wie wir es erwartet haben.

Die Landschaft wird wüstenähnlicher uns die langen Tage lassen uns endlich wieder richtige Etappen zurücklegen.

Wir sehen große Spinnen und viele tote Klapperschlangen am Straßenrand, dass Zelten in der Wüste bleibt ungestört und da es nachts abkühlt, finden wir sogar Schlaf und überwinden den Jetlag.

Die USA sind jenseits der großen Städte wilder als gedacht und wir sehen Tiere ohne Ende: Erdmännchen, Eulen, Kojoten, Greifvögel und Eichhörnchen.

Zwischen uns und den Naturwundern steht die Sierra Nevada, das heisst mal wieder klettern.

Von unseren Besuchen in den Nationalparks werden wir das nächste Mal berichten, dafür gibt es nun unseren ersten Eindruck von den USA.

Jetzt sind wir also in Amerika, sogar noch besser: in Kalifornien. Der Weg vom Flughafen war für uns geradezu unwirklich, alles sieht aus wie im Film und wir können gar nicht glauben, so weit gekommen zu sein. In unserem Wohnzimmer hing jahrelang die kalifornische Flagge, der Bundestaat am Pazifik war unser abstraktes Traumziel. Egal ob Sport, Musik oder Kunst, so vieles, was uns interessiert, kommt von hier: von der Fender Stratocaster über den Patagonia Rucksack, dem neusten Ökonomiebuch aus Berkeley oder technischen Neuheiten aus dem Silicon Valley. Bei solch hohen Erwartungen ist die Entäuschung vorprogrammiert. Stattdessen ist alles aber noch viel besser als erwartet. Jeden Tag passiert etwas gutes, kleine Einladungen, Gespräche und Nettigkeiten: Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben. Wir genießen unsere Tour in vollen Zügen, sei es das legendäre Bier mit den Hopfensorten der Westküste oder das mexikanische Essen. Der Verkehr ist sehr viel besser als erwartet und die Autofahrer nehmen extreme Rücksicht. Warte ich vor einem Supermarkt, gibt es mindestens 10 kurze Gespräche über die Räder und die Tour. Diese kleinen Chitchats werden wir zu Hause genauso vermissen wie den unbeugsamen Optimismus der Amerikaner. Aber soviel vorweg: in den nächsten Wochen sollten wir die Schattenseiten der amerikanischen Kultur kennenlernen, auch in Kalifornien ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Mit Superlativen sind die Amerikaner schnell bei der Hand: alles ist „the biggest“ und „world famous“, vieles ist hier wirklich grandios und auch wir können die Natur und Gastfreundschaft nur mit Superlativen beschreiben.

In diesem Sinne, macht was draus (klingt ganz schön amerikanisch, irgendwie 😉

Airport – Mission District: 55 km
SF – Half Moon Bay: 54 km
HMB – Santa Cruz: 94 km
Santa Cruz – Redwoods: 24 + 24 km
Santa Cruz – Los Banos: 136 km
Los Banos – Mariposa: 142 km
Mariposa – El Portal: 43 km

 

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